Security

Bundestrojaner

Veröffentlicht

Ich habe heute zum ersten Mal eine Mail erhalten, die angeblich mit dem so genannten Bundestrojaner zu tun hat. Natürlich ist die Mail nicht echt, ich bin mir aber sicher, dass noch viele folgen werden :-/ .

Es scheint, dass der “Bundestrojaner” nur dazu gut ist, den Bürger zu verunsichern. Und ganz sicher wird hier auch das schlechte Gewissen des einen oder anderen Empfängers ausgenutzt.

Der Text in dieser Mail lautet:

Von: Herbert Klein “derrick@nilsonreport.com”
Betreff: Onlinedurchsuchung [89772619]

Sehr geehrter Internetnutzer,

im Rahmen unserer ständigen automatisierten Überprüfung von sogenannten Tauschbörsen im Internet, wurde folgende IP-Adresse auf unserem System ermittelt.
IP: 81.182.164.117

Der Inhalt Ihres Rechners wurde als Beweismittel mittels den neuen Bundestrojaner sichergestellt.
Es wird umgehend Anzeige gegen Sie erstatten, da sich illegale Software, Filme und/oder Musikdateien auf Ihren System befinden. Durch die Nutzung sogenannter Tauschbörsen, stellen Sie diese auch anderen Nutzern zu Verfügung und verstoßen somit gegen §§ 249ff StGB.

Das vollständige Protokoll Ihrer Online-Durchsuchung finden Sie im Anhang dieser Email.

Die Strafanzeige und die Möglichkeit zur Stellungnahme wird Ihnen in den nächsten Tagen schriftlich zugestellt.

Herbert Klein, Kriminaldirektor, LKA Rheinland-Pfalz
Am Sportfeld 9c, 55124 Mainz
Tel.: 06131 – 970738
Fax: 06131 – 970731
Mobil: 0171 – 7504699
Mail: Hcklein51@aol.com

“Netterweise” wird auch gleich noch eine zip-Datei mit an die Mail gehängt, in dem sich das vollständige Protokoll Ihrer Online-Durchsuchung befinden soll. Ist natürlich ein Virus, klar.

Da ich natürlich keine Tauschbörsen benutze und natürlich auch keine illegale Software auf meinem Rechner habe, kann ich diese Mail ganz entspannt zerpflücken. Was zeigt uns, dass es sich hier um eine Spam/Virus/Worm/Hoax Mail handelt?

Mailheader:
Es lohnt sich immer einen Blick in den Header und auf den Absender zu werfen

Received: from [201.83.52.129] (helo=c9533481.virtua.com.br)
Herbert Klein 'derrick@nilsonreport.com'

Diese Mail wurde über einen brasilianischen SMTP-Server versendet, sehr verdächtig….

Herrn Klein gibt es tatsächlich, er ist, wie es auch richtig in der Mail formuliert ist, Kriminaldirektor beim LKA Rheinland-Pfalz und Chefredakteur des VDP – Verlag Deutsche Polizeiliteratur und erscheint z.B. bei einem Artikel bei der kriminalpolizei.de.
Er wird aber sicher eine andere Mail-Adresse haben und bei einer offiziellen Mail eine andere benutzen als Derrick@nilsonreport.com oder Hcklein51@aol.com. – Das dachte ich, stimmt aber nicht. Siehe hier!

Mailtext:
Wie bei Mails dieser Art üblich, keine direkte Ansprache, die IP-Adresse ist auch interessant. Ein Blick mit whois sagt uns folgendes:

route:        81.182.0.0/15
descr:        Hungarian Telecom
descr:        Public Internet Access Provider
descr:        Budapest, Hungary
descr:        HU
origin:       AS5483
mnt-by:       AS5483-MNT
source:       RIPE # Filtered

Wer bis hier ein schlechtes Gewissen hatte, kann sich ab jetzt entspannt zurücklehnen. Access Provider in Ungarn? OhKay!

Dann natürlich noch das zitierte Gesetz aus dem Strafgesetzbuch: §249 behandelt Raub und räuberischen Diebstahl, was IMHO nicht wirklich etwas mit Tauschbörsen zu tun hat.

Und natürlich noch der Anhang:
Dabei handelt es sich, wie schon erwähnt, um eine zip-Datei mit der Nummer aus dem Betreff, bei mir Nr-[89772619].zip in dieses Archiv befindet sich eine Ausführbare Datei (exe), aber mit pdf-Icon. Wer immer noch mit ausgeblendeten Dateierweiterungen unterwegs ist, hat hier schon verloren! In den Eigenschaften der Datei steht “Zulu.exe” und die Sprache ist ….. russisch.

Aber wie gesagt, derer Mails wird es ab jetzt viele geben. Und das mit dem Bundestrojaner scheint ja, oh Wunder, auch nicht richtig zu funktionieren.

Ach ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass die Damen und Herren Strafverfolger einen potentiell verdächtigen nicht vorwarnen und ihm die Gelegenheit geben die Platten aufzuräumen, sondern im Morgengrauen vor der Tür stünden und sämtliches IT- Equipment beschlagnahmten.