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Projekte richtig schätzen

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Als Projektverantwortlicher steht man häufig vor der Aufgabe, die Aufwände und Zeiten für ein Projekt abschätzen zu müssen. Besonders wichtig dann, wenn man ein Angebot für ein Projekt erstellen muss.
Als Projekterfahrener Entwickler kann man aus dem Pflichtenheft und seiner eigenen Erfahrung schon eine recht gute Schätzung abgeben. Aber was machen der Neuling mit wenig Erfahrung und der alte Hase um seine ursprüngliche Schätzung abzusichern?

Hier bietet sich die Program Evaluation and Review Technique (PERT; auch Ereignis-Knoten-Darstellung oder Drei-Punkt-Schätzung genannt) an. Die PERT-Schätzung ist ein einfacher und schneller Weg um an verlässliche Schätzwerte für ein (Software)Projekt zu gelangen.

Dabei wird von drei Werten ausgegangen:

  • Optimistischer Wert:
    Entspricht einer optimistischen Schätzung, alles klappt wie am Schnürchen, es treten keine Probleme auf und alles läuft optimal.
  • Mittlerer Wert:
    Hier wird von der Annahme ausgegangen, dass alles normal klappt und man in seinem gewohnten Arbeitstempo voran kommt.
  • Pessimistischer Wert: Hier wird die Zeit geschätzt, wo nichts klappt und man immer wieder auf Probleme und Hindernisse stößt.

Diese drei Werte nach folgender Formel berechnet, ergeben einen recht Aussagekräftigen und realistischen Schätzwert.

Mittelwert = (opt + (mittel *4) + pess) / 6        [1]

Da es unterschiedliche Menschentypen gibt, wird jeder Entwickler seine drei Werte anders einschätzen. Ein eher vorsichtig eingestellter Programmierer wird bei der Frage nach der geschätzten Dauer eines Vorganges eher beim pessimistischen Wert landen, ein mutiger Entwickler, der sich manchmal auch selbst überschätzt, wird eher den optimistischen Wert als richtig empfinden.
Stellt man die Frage nach den drei Werten werden die Antworten der unterschiedlichen Entwicklertypen in der Praxis eher einheitlich und das Ergebnis ist durch die Art der Fragestellung objektiver.
Um an besonders fundierte Ergebnisse zu gelangen, sollte von allen Entwicklern im Projektteam eine Schätzung eingeholt werden und aus diesen einzelnen Schätzungen dann der Mittelwert errechnet werden.

[1]Hinter dieser Formel steckt die Betaverteilung, eine kontinuierliche Wahrscheinlichkeitsverteilung über dem Intervall [0,1]. Mathematiker und mathematisch interessierte können bei Wikipedia hier und hier tiefer gehende Informationen darüber einholen.

2 Kommentare

  1. Meine drei-punkt-schätzung ist:
    Frage einen Entwickler & nimm es mal drei 😉

  2. Hallo Martin,

    ich habe mich mit dieser Methode mal etwas beschäftigt, und bin ehrlich gesagt skeptisch, ob man damit verlässliche Schätzungen für Softwareprojekte abgeben kann.

    PERT stammt aus der Netzplantechnik, setzt also zumindest einen groben Netzplan voraus. Dieser besteht am Anfang ja allerhöchstens aus einer groben Vorstellung von möglichen Projektphasen, hat aber mit der Realität am Ende nicht viel zu tun.

    Man muss drei Schätzungen abgeben, dmin, dnorm und dmax. Alles drei sind meistens ebenfalls Schätzungen „aus dem Bauch heraus“. Diese Werte steckt man in die Formel, und erzeugt damit einen Wert als Ergebnis einer mathematische Berechnung, der trügerische Sicherheit enthält. Die große Unsicherheit bleibt, weil die drei Ausgangswerte ebenfalls alle auf Bauchgefühlen basierten.

    Der einzige für mich ersichtliche Vorteil ist, dass man bei der Schätzung von dmax eventuell überlegt, wo so ein Projekt richtig in die Hose gehen kann, und auf diesem Weg vielleicht Risiken entdeckt und einschätzen muss.
    Das Gleiche erreicht man aber auch mit einer herkömmlichen Risikoanalyse, die sogar sinnvoller sein kann, weil man in so einer Analyse die Risiken bewerten und ggf. auch Gegenmaßnahmen formulieren muss.

    Oder sehe ich das falsch?

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